BUDNI-Forum Frühkindliche Bildung

Integration, Assimilation, Chancengleichheit?

Bericht zur Podiumsdisskussion des BUDNI-Forums "Frühkindliche Bildung" vom 27. November 2008: „Familie in verschiedenen Kulturen: Integration, Assimilation, Chancengleichheit?“

„Weg von der Einbahnkommunikation mit den Eltern, hin zu einem Dialog. Förderung von Mehrsprachigkeit, auch im Kindergarten. Verstärkte Einstellung von Personal, das verschiedene kulturelle Hintergründe hat. “ Dies sind einige der Forderungen, die Christa Preissing im BUDNI BILDUNGS-FORUM zum Thema Integration und Interkulturalität aufstellte, um die Integration von Kindern mit sogenanntem Migrationshintergrund voranzutreiben.

Die Vizepräsidentin der Internationalen Akademie an der Freien Universität Berlin erinnerte in ihrem Vortrag an die Anfänge der interkulturellen Pädagogik, der damaligen „Ausländerpädagogik“ der 1970er Jahre. Seitdem habe sich theoretisch zwar viel getan, allerdings bliebe die Praxis immer noch in einzelnen, zeitlich sehr begrenzten Projekten stecken: „In den Grundfesten des Erziehungs- und Bildungssystems  ist es noch immer nicht angekommen, dass wir eine Einwanderergesellschaft sind“, so die Erziehungswissenschaftlerin und Soziologin.  Zudem würden wissenschaftliche Erkenntnisse von politischer Seite her häufig ignoriert: „Kinder erst in der Vorschule zur Sprachförderung zu bringen, ist Unsinn. Die Sprachentwicklung eines Kindes läuft viel früher ab.“ Daher müsse auch das erste Kindergartenjahr eines Kindes kostenfrei gestellt werden – und nicht das letzte, wie derzeit in Hamburg in der Diskussion ist: „Die Kinder müssen früher gefördert werden“, so Frau Preissing.

Nach Angaben des zweiten Gastes auf dem Podium des Forums, Vera Birtsch, zählt fast die Hälfte unter 18-Jährigen in Hamburg zu den Menschen mit Migrationshintergrund. Frau Birtsch ist Leiterin der Leitstelle Integration und Zivilgesellschaft in der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz: „Mit anderen Worten: das ist Normalität – wir sprechen hier nicht von einer Randgruppe oder Minderheit.“

Als grundsätzliches Problem wurde in der lebhaften Diskussion mit dem Publikum herausgearbeitet,  dass die prekäre soziale Lage von Migrantenfamilien ihre Ausgrenzung noch stärker vorantreibe. In den betroffenen Familien sei zwar ein genauso großes Interesse an guter Bildung für die Kinder vorhanden – jedoch seien die Bildungsphilosophien der Eltern oft andere als die in den Bildungseinrichtungen vertretenen: „Hier findet man häufig das Problem, dass die Eltern wollen, dass ihre Kinder Lern-Instruktionen erhalten“, so Christa Preissing. Diese Erwartung stünde oft im Konflikt mit einem Erziehungsstil in den Kindergärten, der an den Alltag der Kinder anknüpfe und auf spielerisches Lernen setze. Daher müsse man sich hier stärker die Eltern mit einbeziehen.

Im Publikum befanden sich auch einige Erzieherinnen in Ausbildung, die sich zu Wort meldeten und über die zum Teil gering motivierten Kolleginnen und Kollegen im Studium berichteten: „Bei uns kann jeder Erzieher werden. Ob da einer Zeitung liest während des Unterrichts oder nicht interessiert niemanden.“

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