Wieder befreit lachen können

Sie trinken extrem sparsam und verkneifen sich das Lachen – Frauen, die unter Blasenschwäche leiden, kennen oft eine Menge Tricks, um ihr Leiden geheim zu halten.

Am Anfang ist es manchmal nur ein einziger Tropfen, der ungewollt in der Unterwäsche landet. Mit den Jahren wird die Urinmenge größer, die unkontrolliert austritt. Vor allem beim Lachen oder Niesen können Betroffene das Wasser oft nicht halten. In diesem Fall spricht der Mediziner von einer Belastungs-Inkontinenz. Sie ist die häufigste Form von Blasenschwäche bei Frauen.

Schwachstelle Beckenboden

Schuld ist meist der Beckenboden. Mit zunehmendem Alter und aufgrund der hormonellen Umstellung während der Wechseljahre kann die weibliche Beckenbodenmuskulatur erschlaffen. Harnblase, Gebärmutter und Scheide haben dann weniger Halt und können sich verlagern. Oft mit weitreichenden Folgen. Das Zusammenspiel der Organe und vor allem das Weiterleiten des Drucks im Bauchraum funktioniert dann anders.

Denn bei Belastung – und die liegt schon vor, wenn man in den Bus einsteigt oder einen Wäschekorb hebt – steigt der Bauchinnendruck. Er erreicht normalerweise die Harnröhre und damit bleibt diese verschlossen und dicht. Bei verschobenen Organen wird der Druck direkter übertragen und der Urin entweicht unkontrolliert.

Inkontinenz ist allerdings kein reines Altersproblem. Durch Übergewicht, eine Geburt, gynäkologische Operationen, schwere körperliche Arbeit oder Sportarten wie Tennis oder Squash kann auch die Beckenbodenmuskulatur von Frauen zwischen 30 und 50 in Mitleidenschaft gezogen werden. Doch gerade sie suchen aus Scham selten den Arzt auf. Das ist schade, denn in Punkto Inkontinenz kann die Medizin heute viel ausrichten.

Gezielt stärken

Beckenbodentraining ist der Klassiker, wenn es um die Stärkung der Beckenbodenmuskulatur geht. Volkshochschulen und Physiotherapeuten bieten entsprechende Kurse an. Als vorbeugende Maßnahmen empfehlen Experten allen Frauen über 30 regelmäßiges Beckenbodentraining. Zehn Minuten am Tag reichen aus, um die Muskulatur zu stärken. Wenn das Training allein nicht hilft, gibt es auch Medikamente. Der Wirkstoff Duloxetin beispielsweise fördert die Funktion des Blasenschließmuskels. Ist eine Schleimhautschwäche die Ursache für Inkontinenz, was während der Menopause passieren kann, schafft eine Behandlung mit östrogenhaltigen Zäpfchen Abhilfe. Denn eine besser ausgereifte Schleimhaut dichtet die Harnröhre zuverlässiger ab. Bei Übergewichtigen führt manchmal zusätzliches Abnehmen zum gewünschten Erfolg. Da Gebärmuttersenkungen oft die Inkontinenz verursachen, kann auch ein Pessar helfen. Das würfelförmige Silikonteil hebt Gebärmutter und Blase wieder in ihre ursprüngliche Position. Aber auch, wenn diese Maßnahmen nicht fruchten, muss Frau sich mit dem Thema Inkontinenz nicht abfinden. Denn dann zieht der Arzt eine Operation in Betracht. Der Erfolg dieses Routine-Eingriffs, der unter örtlicher Betäubung stattfindet, liegt bei weit über 80 Prozent.

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