Richtig erholen im Alltag

Richtig erholen im Alltag

Schönen Feierabend!

Langsam kehrt Ruhe ein im Büro. Die Flut der Mails ebbt ab. Das Telefon schweigt schon seit einer halben Stunde. Noch eben den PC runterfahren, und dann ist endlich Zeit für ... Ja, wofür eigentlich? Was wir abends noch tun oder lassen, das entscheidet darüber, wie frisch wir uns am nächsten Morgen fühlen.

Der Deutschen liebste Freizeitbeschäftigung, das steht jetzt offiziell fest, ist das Fernsehen. Das ist das Fazit einer repräsentativen Studie, deren Ergebnisse die Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen im August vorgestellt hat. 97 Prozent der Befragten machten ihr Kreuzchen beim Begriff Fernsehen. Auch schlichtes Nichtstun, die Internet-Nutzung und die ausgiebige Körperpflege sind auf der Beliebtheitsskala unter den Top 20. Sind das nicht alles ruhige, unspektakuläre Freizeitbeschäftigungen, die nach Erholung klingen? Ausgerechnet für unseren Favoriten stimmt das leider nur eingeschränkt.

Abschalten durch Einschalten?

Warum tun sich so viele Menschen so schwer damit, abends wirklich zur Ruhe zu kommen? Die Hamburger Heilpraktikerin für Psychotherapie Sabine Kolmar-Gericke weiß darauf einige Antworten. Eine davon betrifft unseren Medienkonsum. „Vor dem Fernseher oder vor dem PC Erholung zu suchen – das hat seine Grenzen. Selbst ein beschaulicher Film oder ein ruhiges Computerspiel bedeuten Reizüberflutung für das Gehirn. Gut möglich, dass man sogar erschöpft vor dem Monitor einschläft – und sich am darauffolgenden Morgen nicht fit fühlt, weil Licht und Geräusche den Schlaf gestört haben.“ Um das zu vermeiden, empfiehlt die Heilpraktikerin zwischen dem Fernsehen und dem Zubettgehen eine halbe bis eine Stunde Zeit vergehen zu lassen – und auch räumlich eine klare Trennung vorzunehmen. „TV im Schlafzimmer – das ist verlockend bequem, aber es vertreibt die Ruhe.“

Rennen oder ruhen?

Yoga oder Tai-Chi – an effektiven Techniken, um einen harmonischen Feierabend einzuläuten, mangelt es nicht. Lesen oder vorlesen lassen – die Auswahl an Hörbüchern ist riesig – bieten sich für einen gemütlichen Abend zu Hause an. Oder Sie verwöhnen ihren Partner und sich mit gegenseitigen Massagen. Doch nicht jedem ist es in die Wiege gelegt worden, durch körperliches Innehalten in den Ruhemodus zu schalten. „Wenn es um die Abendgestaltung geht, gibt es – grob umschrieben – Schildkröten und Rennpferde.“ So nennt Sabine Kolmar-Gericke die beiden entgegengesetzten Pole auf der Skala der Temperamente. So manches Rennpferd macht gezieltes körperliches Innehalten nervös und zappelig. „Dann spricht nichts dagegen, noch joggen zu gehen, daheim zur Lieblingsmusik zu tanzen oder noch Staub zu saugen. Ideal danach ist eine halbstündige Pause, verbunden mit einem kleinen Abendritual – sei es die beliebte warme Milch mit Honig oder das warme Fußbad.“

Nudeln zur Nacht?

Den Abend genussvoll bei einem guten Wein und einem leckeren Essen ausklingen zu lassen, das lieben nicht nur ausgewiesene Gourmets. Zum Kulinarischen kommt das Kommunikative. Das abendliche Gespräch mit dem Partner oder einer Freundin lässt uns leichter den Schalter auf „Freizeit“ umlegen. Wer kohlenhydrat­reiche Speisen wie etwa Pasta oder Kartoffeln serviert, sorgt für eine angenehme Bettschwere. Beim Alkohol ist hingegen Mäßigung angesagt. Zwar gelten Bier und Wein als Einschlafhilfe, doch im Verlauf der Nacht bekommen die meisten Menschen die Nachteile zu spüren: Der Tiefschlaf ist gestört, im Extremfall liegen sie längere Zeit wach. Ein Glas Wein oder Bier – ohne hochprozentige Extras – das bringt den Körper meist nicht um den Schlaf. Die sogenannten leichten Speisen wie Salat und Obst verträgt abends nicht jeder gleich gut, weil sie Gärungsprozesse in Gang setzen. Wer am späten Abend unter Blähungen leidet, sollte die Rohkost probehalber mal zu einer anderen Tageszeit essen.

Können Sie loslassen?

Unsere moderne Lebensweise macht es uns nicht leicht, am Ende des Tages Abstand vom Tagesstress zu nehmen. Sabine Kolmar-Gericke empfiehlt, Gedanken, die einen umtreiben, einem Notizbuch anzuvertrauen und dann bewusst einen Schlusspunkt zu setzen. Wer innerlich loslässt, wird nicht nur ruhiger zu Bett gehen. Er wird vielleicht auch befreiter aufwachen, weil guter Schlaf fit macht und weil uns in unseren Träumen manchmal die besten Ideen kommen.

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