
Heilkraft aus der Natur
Pflanzliche Arzneimittel sind beliebt bei den Deutschen. Besonders um leichte Beschwerden selbst zu kurieren, greifen viele zu Tabletten, Tees und Tinkturen mit natürlichen Wirkstoffen.
Pflanzenheilkunde, auch Phytotherapie genannt, ist die älteste Heilkunde der Welt.
Sie beruht auf der Heilkraft von Pflanzen oder Pflanzenextrakten. Über 400 verschiedene Pflanzen werden in Deutschland heute in der Phytotherapie genutzt. Ob Kamille, Efeu oder Baldrian – die Anwendungsgebiete der Pflanzenmedizin bauen oft auf jahrhundertealter Erfahrung auf. Doch zunehmend wird die Wirksamkeit pflanzlicher Wirkstoffe nach modernen Standards wissenschaftlich erforscht und nachgewiesen. So bewiesen Studien, dass Johanniskraut Wirkstoffe enthält, die leichte bis mittelschwere Depressionen lindern können. Auch die Teufelskralle konnte ihre Wirksamkeit bei rheumatischen Erkrankungen und Schmerzen des Bewegungsapparates unter Beweis stellen. Gleiches gilt für Arzneimittel mit Wirkstoffen aus Weißdorn, die bei Herzschwäche eingesetzt werden, für Ginkgo gegen Demenz sowie Durchblutungsstörungen in den Beinen, Efeu gegen Hustenreiz oder Sonnenhut zur Schnupfenabwehr. Bei manch anderen Pflanzen steht der Beleg hingegen noch aus. Wie genau die Heilpflanzen ihre Wirkung entfalten, ist bislang nur teilweise geklärt. Denn oft ist diese nicht auf einen bestimmten Wirkstoff beschränkt, sondern entsteht im Zusammenklang verschiedener Inhaltsstoffe.
In der Regel sind Phytopharmaka sehr nebenwirkungsarm.
Es ist allerdings ein Irrglaube anzunehmen, sie hätten keine Nebenwirkungen: Sie sind nicht prinzipiell in jeder Menge unschädlich und sollten nicht ohne triftigen Grund eingenommen werden.
Für Phytopharmaka gelten ebenso strenge Auflagen wie für synthetische Medikamente – das heißt, sie müssen ihre Wirkungsweise in klinischen Studien unter Beweis stellen und nachweisen, dass ihre Risiken und Nebenwirkungen vertretbar sind. Von der zuständigen Bundesbehörde, dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, müssen apothekenpflichtige pflanzliche Arzneimittel eine Zulassung erhalten, um auf den Markt zu kommen.




